Diashow Romeo & Julia

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Pressestimmen

 

Liebe ist wie ein Blitzeinschlag

 

Tanzkompaniebo komplex zeigte "Romeo & Julia" in der Brotfabrik

 

Von Elisabeth Einecke-Klövekorn

 

Ganz in Weiß mit weißen Masken erscheinen sie zum Ball bei den Capulets. Und liegen dann erst mal am Bühnenrand im bei der Premiere restlos ausverkauften Theatersaal der Brotfabrik aufgereiht wie Leichen.

 

"Mach mich lebendig, dass ich sterben kann" aus Thomas Braschs "Spiel von Romeo und Julia nach William Shakespeare" hat die Bonner Tanzkompanie "bo komplex" als Motto gewählt für ihre neue Version der berühmtesten Liebesgeschichte der Weltliteratur. Prokofjews bekanntes Handlungsballett steht sehr weit im Hintergrund, wenngleich die Aufführung einige erzählerische Momente enthält. Es geht vor allem um drei Tänzerpaare, die auch privat miteinander verbunden sind und die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln präsentieren.

 

Da sind Maria Louise Golding und Salim Ben Mammar (beide Mitte Zwanzig), die die wie ein Blitz einschlagende Liebe verkörpern, völlig hingegeben an ein übergroßes Gefühl und selbst staunend vor dem Sturm der Leidenschaft. Amaia Lopez Zurutuza und Enrico Palvarini (beide knapp über Dreißig, sie tanzten schon zusammen beim Ballett Chemnitz) sind die erfahrenere Variante. Sie umschwirrt ihn kokett auf der Spitze; er zeigt Bilder von Mantua (tatsächlich seine Heimatstadt), wohin er wegen der dummen Sache mit Tybalt fliehen musste, obwohl er doch bei Giulietta in Verona sein muss. Die 3-D-Animation von Lieve Vanderschaeve gönnt letzterer ein ganzes Meer von roten Rosen.

 

Diese auf den Boden, um den die Zuschauer auf drei Seiten platziert sind, projizierten Bilder entfalten ohnehin eine magische Wirkung. Ein Teppichmuster erscheint plötzlich wie ein elektronischer Schaltkreis, zarte Spitzendeckchen vermischen sich mit verspielten Architekturmotiven, bis die strenge Geometrie der Renaissance dominiert. Bärbel Stenzenberger und Olaf Reinecke (gleich "bo komplex", beide über Vierzig) tanzen das Ende über den virtuellen Gräbern. Es ist das tiefe Vertrauen zueinander, das sie höchst lebendig hinwegträgt über die blutige Auseinandersetzung der verfeindeten Familien. Sehr berührend ist ihr zärtlich stiller Abschied von R&J in die helle Schattenwelt.

 

Stenzenberger hat allen drei Paaren wunderbar individuelle Pas-de-deux auf den Leib choreographiert. Diverse Love-Storys zitiert die Musik von Philip Roscher; die Verwandtschaft von Hochzeits- und Sterbegewändern zeigen die raffinierten weißen Kostüme von Amélie Sator. "bo komplex", erst seit fünf Jahren in der freien Tanzszene etabliert, beweist mit dieser Produktion seine zu Recht schon mehrfach ausgezeichnete exzellente Qualität.


 

General Anzeiger Bonn, Artikel vom 22.09.2014


 


 

Mit Mut beschritten

Pick bloggt: Über Bärbel Stenzenberger und Karel Vanek


 

„Zwei neuere Produktionen in der Brotfabrik habe ich kürzlich gesehen, die mich durch den Mut beeindruckt haben, Wege zu beschreiten, die durchaus nicht ausgetreten sind. Schon der Titel, den Bärbel Stenzenberger für ihre Choreografie wählt - "Romeo und Julia" -, ist in der Freien Szene ja wirklich eine Überraschung und selbst mittlere Häuser - wie Augsburg, dessen letzte Produktion in der von mir als sehr gelungen beschriebenen Choreografie von Young Sung Hue - hat Mühe ein solches Stück auf die Bühne zu bringen. Was im Übrigen für die anderen Sparten dieser Theater nicht minder aufwendig ist.


Deshalb finde ich es besonders mutig, sich mit diesem Dauerbrenner des Theaters im Kammer-Tanz auseinanderzusetzen. Natürlich kann sie die Geschichte nicht eins zu eins umsetzen, und das will sie auch nicht, sondern sie konzentriert sich auf die Titelfiguren. Romeo und Julia werden mittels dreier Paare unterschiedlichen Alters dargestellt, für die Entwicklungsphasen dieses unsterblichen Liebespaares. Dabei ist ihr offenbar ziemlich egal, das die beiden am Ende als Leichen hinter einem Vorhang zu verschwinden hätten. Nein, das älteste Paar bleibt nach einer Zeitlupe eingefroren und wird auf eine Reise in die Ewigkeit geschickt. Bärbel Stenzenberger tanzt selbst diese alternden Julia mit dem überzeugenden Partner Olaf Reinecke. Die beiden hatten mich schon vor diesem Ende an Philemon und Baucis erinnert. Wie gesagt, ich finde das Unternehmen vom Ansatz her sehr gelungen, aber leider dramaturgisch nicht immer konsequent: wenn beispielsweise die drei Paare in einem Tanz mit Masken, die sie übrigens schon mal zu Anfang des Abends tragen, höfisch zelebrieren. Ohne Grund verfallen sie in eine, wenn auch sehr dekorative Gruppenchoreografie, ohne die Charaktere sich weiter entwickeln zu lassen.


Ein durch Projektionen aufwändig gestalteter, manchmal gehäkelter Raum von Lieve Vanderschaeve geben den beiden anderen Paaren genügend Platz, sich ungestüm auszutoben oder ihrer Verzweiflung Ausdruck zu verleihen. Wie auch die speziell für dieses Projekt erarbeitete Musik von Philip Roscher, der den Ohrwurm von Nino Rota geschickt verarbeitet - und wenn Thomas Brasch von Weitem dabei ist, trägt all dies zum Gelingen bei. (...)“ 


 

(Günter PICK auf tanznetz.de, veröffentlicht am 24.02.2015)


 


 

Wechselbad der Gefühle

Die ersten Gäste der TanzArt ostwest sind bereits aufgetreten
 

„...Auch die Gruppe bo komplex (Bonn) war schon in Gießen dabei, jetzt haben sie Ausschnitte aus ihrem Programm „Romeo & Julia“ mitgebracht. Zwei Paare zeigen nacheinander Liebe und Vertrauen: das eine zauberhaft jung und ungestüm mit innovativem Einsatz von Ballettschuhen, das andere alternd und sich stützend bis zu Unbeweglichkeit und Schwäche... sehr unter die Haut gehend.“ (dkl)