Diashow Konsequenzen

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Pressestimmen

 

Euro-Theater Central geht mit Multimedia-Projekt „Konsequenzen“ an seine Grenzen

Mitten durch den Theaterraum geht ein symbolischer Riss. Oder ein Pfad. Auf jeden Fall eine Bühne. Eine Treppe aus Podesten, belegt mit Papier. Ein Wasserfall aus Weiß, durch zwei Beamer künstlich erweitert, und drumherum das Publikum. Dass der kleine Vorführraum des Euro-Theater Central diese Möglichkeiten bietet, hätte vor der Premiere des Multimedia-Projekts „Konsequenzen“ am vergangenen Donnerstag kaum jemand gedacht. Bis auf die Tanzkompanie bo komplex, bestehend aus Bärbel Stenzenberger und Olaf Reinecke. Die beiden Tänzer, die seit der Inszenierung von „Gisela – Giselle“ eine ganz besondere Beziehung zu dem Theater pflegen, öffnen die Bühne, gestalten sie neu – und gehen mit den Konsequenzen auf ihre eigene Weise um. Das Ergebnis ist eine abstrakte, teils anstrengende, immer vielschichtige Tanzperformance...

Mit atemberaubender Körperspannung agieren die beiden nun miteinander, immer auf dem engen weißen Steg, auf diesem theatralischen Lebensband, an dem links und rechts der Abgrund lauert. Es ist die angenehmste, zugänglichste Szene des gesamten Stückes, in der die tänzerischen Qualitäten des exzellent aufeinander eingespielten Duos selbst für Laien sichtbar werden. Geschmeidige Akrobatik, die aber auch irgendwann endet. Denn, so eine mögliche Lesart, keine Beziehung hält ewig... 70 Minuten für Geburt, Harmonie und Zerstörung. Zurück bleibt ein zutiefst aufgewühltes Publikum, in dem jeder mit dem Gesehenen anders umgeht, anders empfindet, anders interpretiert. Allgemeine Kriterien wie gut oder schlecht scheitern hier. Letztlich muss sich jeder sein eigenes Bild machen, sich auf das Wagnis einlassen, dem mutigen Projekt eine Chance geben. Und es 70 Minuten auf sich wirken lassen. Bis zur letzten Konsequenz.“  

(General Anzeiger, Artikel vom 12.01.2013)

 

„...Die Zuschauer sitzen zu beiden Seiten dieser Stufen-Bühne und sind sehr nah dran an den Konsequenzen des Tänzerpaares Bärbel Stenzenberger und Olaf Reinecke, das unter dem Namen bo komplex firmiert und seit einigen Jahren in der freien Bonner Tanzszene Aufsehen erregt... Hoch oben verknäueln die beiden Tänzerleiber sich wie der mythische androgyne Kugelmensch aus Platons „Symposion“, in dem der Komödiendichter Aristophanes die Entstehung des erotischen Begehrens aus der ursprünglichen körperlichen Einheit der Geschlechter ableitet. Mann und Frau trennen und suchen sich, verstecken sich neckisch unter den Stufen, untersuchen Zwischenräume und Beziehungsmöglichkeiten auf engstem Raum. Das hat Folgen für die Bewegungen. Jede Entscheidung setzt einen körperlichen Impuls für den Fortgang des Geschehens, das nicht als große Erzählung inszeniert ist, sondern als episodische Situationsverschiebung. Jeder Schritt spielt mit den offenen Chancen und deren Einengung, sobald eine Richtung eingeschlagen ist. Alles Leichte ist gleichzeitig schwer, luftig runde Gebilde lassen virtuelle Wände einstürzen, jede Tür ist ein verschlossener Ausweg, jeder Sturmlauf ein Stillstand.

Es gibt keine Eindeutigkeit in diesem raffinierten Passagen-Spiel mit denkbaren Alternativen. Die Konsequenzen sind ein unendlicher Fluss, in den man aber nun einmal steigt. Die Ufer markiert die Toncollage von Philip Roscher, die Text-Bruchstücke aus Aufführungen (die meisten stammen aus Produktionen des Euro Theaters) zu einem absurden „teatrum mundi“ vermixt. Vieles lässt sich herausdenken aus diesem performativen Essay, bei der man jeden arbeitenden Muskel und jeden körperlichen Oberflächenreiz ohne den Filter der Ferne hautnah spürt. Das ist durchaus anstrengend. Genauso wie der heillose Riss zwischen den Geschlechtern und die unüberwindlichen Differenzen bei der individuellen Erfahrung von Raum und Zeit. Die beiden Tänzer-Choreographen stellen berührend und häufig auch sehr witzig  die Wahrnehmung auf die Probe. Artisten auf der Revue-Treppe, entschieden ratlos, aber konsequent bewegt wie das nachdenklich applaudierende Publikum."

(Magazin der Theatergemeinde Bonn, Nr. 93, Februar 2013)

 

„...mischt sich abseits der Lesenden unter die Sehenden und Bildsüchtigen. Der bekommt nun von Bärbel Stenzenberger und Olaf Reinecke fabulöse Dinge zu sehen.

Und vor allem ohne allen Bedeutungsüberhang... Eine fabelhafte Technik (Uwe Rieger) hat nämlich eine lange, weiße Stufenkaskade durch den Zuschauerraum gebaut. Oben beginnt mit Stenzenberger und Reinecke das Leben.

Bei ihren Verschlingungen passt nichts dazwischen, was sich nicht paarweise von den beiden von der Tanzkompanie "bo komplex" erledigen ließe, einfach stark die Bilder, die Lieve Vanderschaeve der Szenerie anbietet und nicht einfach als Fotos, sondern als Animationen, die das Leben einfangen mit Stenzenberger und Reinecke, die - man darf ruhig hoch greifen - von Stufe zu Stufe wie in Hölderlins "Schicksalslied"- nicht hinunterfallen.

Das wäre tänzerisch langweilig. Nein, sie winden sich von Stufe zu Stufe hinab. Es ist sozusagen der elementare Tanzmittelpunkt des Abends. Er zeigt die Klasse dieses Tanzpaares in beachtlicher Vollendung.

In ihren Bewegungsabläufen vergisst der Raum seine Beschränktheit. Es gab natürlich darum herum noch eine Menge mehr zu sehen, vor allem auch mittels der bewegten Bilder, mit den, alles in allem genommen, die Animationen ihre Welt bauen. Eine schöne Vorführung.“  

(Bonner Rundschau, Artikel vom 14.01.2013)

 

„Ein Körper-Knäuel, hineingeworfen in die Welt. Wie Yin und Yang oder ein kugeliger Hermaphrodit haben sich Zwei ineinander verschlungen. Ihre Geschichte beginnt ganz oben, auf dem Treppenabsatz der kaskadenartig angelegten Bühne, die wie ein Laufsteg den Raum teilt und mit weißem Papier ausgelegt ist.

Die Zuschauer sitzen zu beiden Seiten auf der Studiobühne der Fabrik Heeder, hautnah am Geschehen. Bärbel Stenzenberger und Olaf Reinecke, kurz das Bonner Ensemble bo komplex, arbeiten sich in ihrem Stück „Konsequenzen“ die langgezogene Treppe herunter.

Bei ihrem Duett auf der papiernen Lebensbahn erfahren sie – in der schönsten Tanzszene – vollkommenes Liebesglück, aber auch Krise, die bei finalem Rotwein und Bier beigelegt wird. Das wäre banal und langweilig, wären da nicht die titelgebenden Konsequenzen aus den beengten Räumlichkeiten. Es ist faszinierend, wie beide sich auf und unter dieser Bühne suchen und finden, verstecken, anfeinden und bekriegen.

Wie sie robben, rollen, rutschen, das Papier durchstoßen, aus allen möglichen Winkeln das Podest erklimmen, wie jede Bewegung die beiden im konkretesten Wortsinn an Grenzen führt. Immer lauert der Abgrund. Auch die eingespielten Textfragmente erzählen von Behinderung in unterschiedlichster Form.

Eine weitere Ebene bietet die 3D-Animation. Sie macht beispielsweise aus dem Laufsteg einen Wasserfall, der an einem Berg beginnt und ins Meer mündet. Ein leichtes und gleichzeitig nachdenkliches Stück. Es hätte mehr Publikum verdient gehabt.“  

(Westdeutsche Zeitung, Artikel vom 14. April 2014)